Recruit or fake it!

Dr. Rainer Neubauer ist Geschäftsführer der HR- und Managementberatung metaBeratung
Dr. Rainer Neubauer ist Geschäftsführer der HR- und Managementberatung metaBeratung

Der CEO eines des größten deutschen Automobilherstellers sieht seine Konkurrenz im Internet. Er sieht sie in Google, in Uber und Tesla. Zwei der drei Konkurrenten stellen keine Fahrzeuge her. Tesla hat den Fokus auf Energie. Donald Trump wird Präsident der USA. Die AfD wird 2017 in den deutschen Bundestag einziehen. Populisten haben leichtes Spiel mit einer neuen Hasskultur. Renommierte Wirtschaftsexperten raten zum Grundeinkommen. Die Armut heute und im Alter polarisiert. In der Schweiz wurde darüber bereits eine Volksabstimmung durchgeführt. Ich selbst habe in 2016 meine Führungsrolle im Unternehmen komplett verändert, das Arbeitsmodell des Unternehmens wurde völlig auf den Kopf gestellt:Collaborative IT, Gleitzeit, Büro nicht mehr als einziger Ort der Wertschöpfung, Kontrollverlust, Empowerment.
Wer hätte das alles vor einigen Jahren vorhergesagt? Keiner. Wer traut sich nun, 2020 vorherzusagen?
Ökonomen sehen die Welt in Ökosystemen, die sich gegenseitig befruchten. Die Grenzen der Branchen verschwimmen. Die Automobil-Industrie ändert ihren Fokus von  Mobilitäts- zu Energie- und Sharing-Themen. Social Media erlauben Hassbotschaften von Eintags-Intellektuellen weite Verbreitung. Technologien überholen sich selbst und keiner weiß, welche tatsächlich in ein paar Jahren den Ton angibt. Vieles ist im Fluss und die, die offen für Neues und andere Menschen sind, nehmen teil an der Veränderung. Die anderen verlieren.
Bei all dem sprechen viele direkt oder nebenbei über die Anforderungen an Menschen, die es ja trotz Internet of things und M2M immer noch gibt und geben wird. Verändungsbereit sollen sie sein, netzwerken können und offen sein für Neues. Das Ideal des lächelnden, ambitionierten Teamplayers, der inkludiert und integer ist, neues offen annimmt, informiert urteilt und täglich opportunistisch bahnbrechende Entscheidungen trifft; der führen, ohne zu führen, quasi indirekt mit hoher strategischer Selbsterkenntnis. Wer hat diese Personen schon mal gesehen? Ich nicht!
Netzwerkfähigkeit und Offenheit für Neues sind einer der vielen Schlüssel zum Erfolg in der Zukunft. Die Welt ist normalverteilt, was heißen soll, dass 50% der Menschen Netzwerke bedienen können, 50% der Menschen offen für Neues sind, aber nicht jeder kann beides gleichzeitig. Die gute Nachricht ist, dass man Menschen nach solchen Kriterien beurteilen und einstellen kann. Doch was macht man mit denen, die bereits im Unternehmen sind? Oder mit denen am linken Rand der Normalverteilung? Einfache Antwort: Die müssen die Fähigkeiten eben „faken“. Sie brauchen Unterstützung, über sich hinauszuwachsen. Persönlichkeit gibt die Marschrichtung in Gegenden vor, in denen ich mich zuhause fühle. Sollte die neue Welt aber (noch) nicht mein zuhause sein, muss ich mich vielseitiger aufstellen und meine Komfortzone verlassen. Unternehmen und Organisationen können sich die Persönlichkeit des Menschen und ihre Analyse viel besser zu Nutze machen, um Weichen für die Persönlichkeitsentwicklung zu stellen und die jeweils beste Form dafür zu wählen.

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